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Ashwagandha Wurzel – Chancen und Risiken Stillzeit
07 Jul 2025

Ashwagandha und Rhodiola in der Stillzeit: Was zeigen Studien wirklich?

Ashwagandha und Rhodiola werden häufig als sogenannte Adaptogene gegen Stress, Erschöpfung oder innere Unruhe beworben. Die wissenschaftliche Einordnung muss jedoch zwischen drei Fragen unterscheiden: Gibt es Effekte bei nicht stillenden Erwachsenen? Wie sicher sind die untersuchten Extrakte? Und existieren Daten zur Anwendung während der Stillzeit?

Das Wichtigste in Kürze

  • Für standardisierte Ashwagandha-Wurzelextrakte zeigen randomisierte Erwachsenenstudien moderate Verbesserungen von Stress- und Angstskalen. Die Studien sind überwiegend kurz und verwenden unterschiedliche Extrakte.
  • 300 mg täglich liegen innerhalb des in Studien untersuchten Bereichs, beweisen aber ohne identische Standardisierung keine gleiche Wirkung.
  • Für Rhodiola sind die Ergebnisse bei Stress und Müdigkeit widersprüchlich. Viele Studien verwenden deutlich mehr als die in Mood Lift enthaltenen 100 mg.
  • Für beide Pflanzen fehlen belastbare Humanstudien zum Übergang in die Muttermilch, zur kindlichen Exposition und zu klinischen Folgen beim gestillten Kind.
  • Vitamin B6 mit 5 mg täglich ist davon getrennt zu bewerten und stellt nach der vorhandenen Stillzeitevidenz kein plausibles Risiko für die Milchbildung dar.

Ashwagandha: Was zeigen Erwachsenenstudien?

Eine Metaanalyse aus neun randomisierten Studien mit insgesamt 558 Erwachsenen fand gegenüber Placebo Verbesserungen auf Stress- und Angstskalen sowie eine Abnahme der gemessenen Cortisolwerte. Die eingesetzten Präparate, Dosierungen und Studiendauern unterschieden sich jedoch. Vier Studien berichteten leichte bis moderate unerwünschte Ereignisse; für eine belastbare Aussage zur Langzeitsicherheit reichten die Daten nicht aus.

Neuere randomisierte Studien untersuchten standardisierte Wurzelextrakte mit 150 bis 600 mg täglich. In mehreren Untersuchungen verbesserten sich subjektive Stresswerte gegenüber Placebo. Eine große achtwöchige Sicherheitsstudie mit mehr als 1.000 Erwachsenen und 600 mg täglich fand keine schweren unerwünschten Ereignisse und keine relevanten Unterschiede bei Leber-, Nieren- oder Blutwerten.

Eine systematische Sicherheitsauswertung von 23 Studien mit 2.317 überwiegend gesunden Erwachsenen bewertete standardisierte, reine Wurzelextrakte in Dosierungen von 125 bis 600 mg täglich über bis zu 180 Tage insgesamt als gut verträglich.

Seltene, aber relevante Sicherheitsaspekte

Die gute durchschnittliche Verträglichkeit in randomisierten Studien schließt seltene idiosynkratische Reaktionen nicht aus. Fallserien und eine aktuelle Übersicht beschreiben einen wiederkehrenden Typ von Ashwagandha-assoziierter Leberschädigung, meist mit Gelbsucht und Juckreiz nach mehreren Wochen Einnahme. Die meisten Betroffenen erholten sich nach Absetzen; schwere Verläufe wurden insbesondere bei bereits bestehender Lebererkrankung beschrieben.

Darüber hinaus zeigen einzelne klinische Studien, dass Ashwagandha Schilddrüsenwerte verändern kann. In einer kleinen Studie bei subklinischer Hypothyreose stiegen T3 und T4, während TSH sank. Das war dort das untersuchte Ziel, bedeutet aber zugleich, dass bei Schilddrüsenerkrankungen oder Schilddrüsenmedikation Wechselwirkungen nicht ausgeschlossen werden können.

Bei Gelbfärbung der Haut oder Augen, dunklem Urin, starkem Juckreiz, anhaltender Übelkeit oder Schmerzen im rechten Oberbauch sollte die Einnahme beendet und medizinisch abgeklärt werden.

Was wissen wir speziell zur Stillzeit?

Für Ashwagandha existieren keine belastbaren Humanstudien, die Konzentrationen von Inhaltsstoffen oder Metaboliten in der Muttermilch messen. Ebenso fehlen klinische Studien bei stillenden Frauen und systematische Beobachtungen gestillter Kinder.

Die vorhandenen Erwachsenenstudien beantworten diese Fragen nicht. Ein Extrakt kann bei Erwachsenen kurzfristig gut verträglich sein und dennoch eine unbekannte kindliche Exposition erzeugen. Umgekehrt ist das Fehlen von Stillzeitdaten kein Beweis für eine konkrete Schädigung. Es bedeutet, dass die Sicherheit nicht quantifiziert werden kann.

Besonders vorsichtig ist die Bewertung bei Neugeborenen, Frühgeborenen und medizinisch vorbelasteten Säuglingen, weil Stoffwechsel und Ausscheidung weniger ausgereift sind.

Rhodiola: mögliche Effekte, aber uneinheitliche Evidenz

Für Rhodiola rosea liegen kleinere Studien zu Stress, mentaler Müdigkeit und körperlicher Leistungsfähigkeit vor. Eine systematische Übersicht fand zwar in mehreren Studien positive Ergebnisse, bewertete die Gesamtevidenz wegen methodischer Mängel und widersprüchlicher Resultate jedoch als unsicher.

Ein randomisierter Versuch mit Pflege-Studierenden im Schichtdienst fand bei 364 mg täglich sogar eine ungünstigere Veränderung der Müdigkeit als unter Placebo. Andere Studien mit etwa 400 bis 576 mg täglich berichteten Verbesserungen einzelner Stress- oder Konzentrationsmaße.

Mood Lift enthält 100 mg Rhodiola. Diese Menge liegt unter vielen untersuchten Tagesdosen. Ohne Angaben zu Rosavinen, Salidrosid, Extraktionsverhältnis und eingesetztem Extrakt lässt sich aus den publizierten Studien kein konkretes Wirkversprechen für das Produkt ableiten.

Auch für Rhodiola wurden keine belastbaren Humanstudien zum Übergang in die Muttermilch oder zu gestillten Kindern identifiziert. Eine Stillzeitsicherheit kann daher nicht aus der traditionellen Verwendung oder aus Erwachsenenstudien abgeleitet werden.

Vitamin B6 mit 5 mg: getrennt bewerten

Vitamin B6 ist der am klarsten einzuordnende Bestandteil der Rezeptur. In einer Langzeituntersuchung erhielten stillende Frauen 0,5 oder 4 mg zusätzliches Vitamin B6 täglich. Die höhere Dosis steigerte die B6-Konzentration im Blut und in der Muttermilch, ohne den Prolaktinspiegel zu senken oder das Stillen zu beeinträchtigen.

Historische Diskussionen über eine mögliche Hemmung der Milchbildung beziehen sich auf pharmakologische Dosen von ungefähr 450 bis 600 mg täglich. Eine systematische Übersicht bewertete selbst für diese extrem hohen Dosen die Evidenz zur Stillhemmung als widersprüchlich und unzureichend.

5 mg täglich liegen um Größenordnungen darunter. Die Dosis sollte daher nicht allein wegen des Abstandes zu einem Ernährungsreferenzwert oder einem vorsorglichen Höchstmengenvorschlag als stillzeitkritisch eingestuft werden.

Was bedeutet das für Mood Lift?

  • Die Mengen von 300 mg Ashwagandha und 100 mg Rhodiola sind nicht automatisch als gefährlich einzustufen.
  • Für Ashwagandha besteht eine moderate, aber extraktspezifische Evidenz für Stressreduktion bei nicht stillenden Erwachsenen.
  • Die Rhodiola-Evidenz ist widersprüchlich; für 100 mg des konkreten Extrakts ist kein belastbarer Produktnutzen ableitbar.
  • Für beide Pflanzen fehlt direkte Stillzeitevidenz. Mood Lift darf daher nicht als nachgewiesen stillzeitsicher oder speziell für stillende Mütter entwickelt beworben werden.
  • Das Fehlen von Daten ist kein Nachweis einer Schädigung. Eine Anwendung in der Stillzeit bleibt eine individuelle Nutzen-Risiko-Entscheidung, besonders abhängig vom Alter und Gesundheitszustand des Kindes.
  • Vitamin B6 mit 5 mg ist kein Grund für eine Stillzeitsperre. Zulässige Aussagen können sich auf seine normalen physiologischen Funktionen beziehen.
  • Vor Freigabe müssen die Standardisierung beider Pflanzenextrakte und das finale Etikett dokumentiert werden.

Wann ist besondere Vorsicht sinnvoll?

Eine fachliche Rücksprache ist insbesondere sinnvoll bei bestehender Leber- oder Schilddrüsenerkrankung, Einnahme von Schilddrüsenhormonen, Psychopharmaka, Beruhigungsmitteln oder Immunsuppressiva sowie beim Stillen eines Neugeborenen, Frühgeborenen oder gesundheitlich vorbelasteten Kindes.

In der Schwangerschaft sollte Mood Lift aufgrund fehlender belastbarer Sicherheitsdaten zu den Pflanzenextrakten nicht verwendet werden.

Häufige Fragen

Ist Ashwagandha in der Stillzeit nachweislich gefährlich?

Nein. Es gibt keinen belastbaren Nachweis, dass 300 mg Ashwagandha bei Stillenden grundsätzlich schädlich sind. Es fehlen jedoch direkte Daten zu Muttermilch, kindlicher Dosis und klinischer Sicherheit. Deshalb kann eine allgemeine Unbedenklichkeit ebenfalls nicht bestätigt werden.

Wirkt 300 mg Ashwagandha gegen Stress?

Mehrere Erwachsenenstudien zeigen mögliche Verbesserungen von Stresswerten. Die Wirkung hängt jedoch vom konkreten, standardisierten Extrakt ab. Aus der Mengenangabe allein lässt sich keine identische Wirkung für Mood Lift ableiten.

Ist Rhodiola mit 100 mg wirksam?

Dafür gibt es keine belastbare produktspezifische Evidenz. Viele Studien nutzten höhere Mengen und unterschiedliche standardisierte Extrakte; die Gesamtergebnisse sind widersprüchlich.

Kann Vitamin B6 mit 5 mg die Milchbildung hemmen?

Das ist nach der verfügbaren Evidenz nicht plausibel. Ernährungsnahe Dosen bis 4 mg täglich beeinflussten Prolaktin und Stilldauer nicht. Historische Studien zur möglichen Stillhemmung verwendeten mehrere hundert Milligramm täglich.

Quellen und Stand

Redaktioneller Quellenstand: 29. Juli 2026.

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